Riskante Billig-Behandlung
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Riskante Billig-Behandlung

„Bandbreite reicht von unschönen Ergebnissen bis zu Lebensgefahr“

Illegale sogenannte „Schönheits-Kliniken“ sorgen in Wien für Schlagzeilen und vor allem für große Gesundheitsrisiken. Im Interview erklärt Sylvia Perl-Convalexius, Obfrau der Fachgruppe für Haut- und Geschlechtskrankheiten, welche Gefahren drohen, worauf Patientinnen und Patienten achten sollten und warum ästhetische Eingriffe unbedingt in fachärztliche Hände gehören.

Stefan Eckerieder

Von Stefan Eckerieder

Ärzt*in für Wien: Razzien und Schließungen illegaler sogenannter „Schönheits-Kliniken“ in Wien sorgen seit Monaten für Aufregung. Wie bewerten Sie diese Vorgänge?
Perl-Convalexius: Das ist sehr bedenklich, sowohl die Situation als auch die mediale Darstellung. Mit Kliniken haben diese Einrichtungen rein gar nichts zu tun. Eine Klinik ist ein seriöser Ort, an dem qualitativ hochwertige medizinische Leistungen geboten werden. Diese illegalen Einrichtungen, oft in Hinterzimmern oder Lagerräumen, sind das Gegenteil: kein medizinisches Personal, keine Hygiene, keine Rückverfolgbarkeit der Produkte. Das ist alles sehr gefährlich. 

Ärzt*in für Wien: Wie können Patientinnen und Patienten seriöse Anbieterinnen und Anbieter erkennen?
Perl-Convalexius: Zwei medizinische Fachrichtungen lernen ästhetische Behandlungen bereits in der Ausbildung: plastische Chirurgie und Dermatologie. Diese dürfen bestimmte Eingriffe ohne zusätzliche Ausbildung durchführen. Andere Fachrichtungen benötigen dafür zertifizierte Zusatzausbildungen. Das stellt hohe Qualitätsstandards sicher, denn es braucht fundiertes Wissen über Anatomie und Produkte, sonst drohen gefährliche Komplikationen. 

Ärzt*in für Wien: Welche Risiken bestehen, wenn Personal, das nicht medizinisch geschult ist, ästhetische medizinische Behandlungen durchführt?
Perl-Convalexius: Die Bandbreite reicht von unschönen Ergebnissen bis hin zur Lebensgefahr. Ich habe Patientinnen gesehen, die nach illegalen Lippenaufspritzungen völlig entstellt waren. Besonders gefährlich wird es, wenn Filler in die falsche Stelle gespritzt werden: Das kann Nekrosen verursachen, die zu Narben oder Verstümmelungen führen. Allergische Reaktionen können lebensgefährlich werden, wenn nicht sofort ärztlich eingegriffen wird. Eine ästhetische Behandlung ist immer ein medizinischer Eingriff und gehört ausschließlich in fachärztliche Hände. 

Ärzt*in für Wien: Wie gefährlich ist die Verwendung von illegal beschafften Medikamenten oder Präparaten?
Perl-Convalexius: Diese Produkte stammen oft vom Schwarzmarkt. Ihre Herkunft und ob es sich dabei um Originalprodukte handelt, ist schwer nachzuvollziehen. Im besten Fall wirken sie nicht, im schlimmsten Fall verursachen sie Vergiftungen, allergische Schocks oder Verstümmelungen.

Ärzt*in für Wien: Welche Trends sehen Sie aktuell bei minimalinvasiven Eingriffen?
Perl-Convalexius: Der Wunsch nach Natürlichkeit ist groß. Die meisten wollen nicht komplett verändert aussehen, sondern frischer, erholter, vielleicht etwas jünger wirken – kleine Lach- oder Mimikfalten sollen durchaus bleiben. 

Ärzt*in für Wien: Ihr Rat an Patientinnen und Patienten?
Perl-Convalexius: Unbedingt prüfen, ob es sich um ein seriöses medizinisches Angebot handelt. Patientinnen und Patienten können online überprüfen, ob eine Adresse als ärztliche Ordination gemeldet ist. Offizielle Verzeichnisse sind der Praxisplan der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. Auch die Ärzteliste der Österreichischen Ärztekammer sowie das Suchverzeichnis für ästhetische Operationen gibt Auskunft. So lässt sich sicherstellen, dass Eingriffe professionell und sicher durchgeführt werden.
 

So finden Sie die richtigen Ärztinnen und Ärzte für Ihre Behandlung

  • Praxisplan der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien: praxisplan.at
  • Ärzteliste der Österreichischen Ärztekammer: aerzteliste-online.at
  • Ärzteliste der Fachgesellschaft für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie: plastischechirurgie.org
Frau Dr. Sylvia Perl-Convalexius sitzt in ihrer Ordination am Schreibtisch
Sylvia Perl-Convalexius warnt eindringlich vor ästhetischen Behandlungen bei nicht qualifiziertem Personal.
Foto: Stefan Seelig
 
© medinlive | 13.02.2026 | Link: https://s2.medinlive.at/panorama/bandbreite-reicht-von-unschoenen-ergebnissen-bis-zu-lebensgefahr