„Fitnessstudios brauchen dort die Wenigsten!“
Uganda hat Jahrzehnte blutiger Konflikte hinter sich, gilt aber seit mehr als einem Jahrzehnt als friedlich und stabil. Das stark christlich geprägte ostafrikanische Land hat ein teils öffentliches, teils privatisiertes Gesundheitswesen, das für die Menschen fast immer mit hohen Kosten verbunden ist. Jaber Constantin Köttl studiert Medizin, hat einen Monat in einem Spital in der Hauptstadt Kampala gearbeitet und erzählt Ärzt*in für Wien von seinen Erfahrungen.
„Ärztinnen und Ärzte genießen ein extrem hohes Ansehen in Uganda. Auch die staatlich ausgebildeten Krankenschwestern, sogenannte Nurse Officer, sind sehr geachtet“, berichtet Jaber Constantin Köttl von seinem Aufenthalt in Afrika. Im Lauf seiner Ausbildung muss er als Student der Danube Private University Krems, anders wie an anderen Universitäten üblich, auch Pflegepraktika und Famulaturen machen, nun wollte er diese Erfahrung auch im Ausland machen. Uganda hat ihn dabei mit seinen landschaftlichen Reizen und einem Gesundheitswesen mit sehr unterschiedlichen Facetten besonders interessiert. Dabei gibt es zwar öffentliche Spitäler, die zumindest in der Theorie für jeden zugänglich sind, in der Praxis sieht es aber so aus, dass man etwa Nähbesteck oder Medikamente vorab in der Apotheke kaufen muss und damit zum Arzt ins Spital geht. Auf der anderen Seite gibt es das privatisierte Gesundheitswesen mit Abstufungen bis hin zu High-End-Krankenhäusern westlichen Standards. „Es gibt dabei Privatkliniken für die Mittelschicht wie Lehrer, Supermarktangestellte oder Verkäuferinnen. Und dann gibt es Privatkliniken mit noch größerem Angebot für Menschen, die eine sehr gute Privatversicherung haben, sogenannte Specialized Center“, erklärt Köttl das System. Dort wird man auf extrem hohem Niveau behandelt und versorgt.
Digitalisierung? Mit Vorbehalt
Eine ganz wesentliche Rolle im Gesundheitswesen spielen die schon erwähnten Nurse Officer, sprich staatlich ausgebildete Krankenschwestern mit einem sehr anspruchsvollen Studium und entsprechend vielen, die dieses Studium auch abbrechen, nämlich rund 60 Prozent. Die fertig ausgebildeten Krankenschwestern haben dann ein derart großes Mitspracherecht, dass sie selbst ärztliche Verordnungen in Frage stellen können, wenn sie damit nicht einverstanden sind, sie agieren sehr selbstständig. „Daneben gibt es diplomierte Krankenschwestern oder die Midwives, also Hebammen, aber staatliche Nurse Officer sind definitiv diejenigen mit der größten Entscheidungsmacht, dem höchsten Ansehen und auch dem meisten Lohn“, sagt Köttl. Digitalisierung ist übrigens zwar vorhanden und angekommen als Thema, aber das Gesundheitspersonal verlässt sich auf keinen Computer, meint er, es wird alles nochmals händisch berechnet und nachkontrolliert, etwa bei Medikamentengaben.“ Diese Skepsis hat auch den ganz banalen Grund eines Stromausfalls, der jederzeit möglich sein kann.

Operationssaal aus dem höher budgetierten Bereich einer Privatklinik. Fotocredit: privat
Teure Gesundheit
Ein wesentlicher Punkt ist übrigens, dass es für die Menschen dort zur Normalität gehört, Geld für die ärztliche Versorgung aus der eigenen Tasche in die Hand zu nehmen. „Es wird dann etwa woanders gespart, die Familien zahlen zusammen oder man borgt sich Geld von der Kirche aus“, erzählt Köttl, der im Lubaga-Spital, einem privaten Krankenhaus mit Öffentlichkeitsrecht, gearbeitet hat. Zudem versuchen die Ärztinnen und Ärzte, die Honorare niedrig zu halten und den Menschen entgegenzukommen, aber natürlich gibt es fixe Kosten und Preise. Die Mentalität der Uganderinnen und Ugander sei auffällig freundlich und entspannt, sagt er, „man erfährt sehr viel Herzlichkeit, Zusammenhalt und Zuwendung.“ Die Arbeitsmoral des Gesundheitspersonals ist dabei grundsätzlich sehr hoch und das Stundenpensum groß: 48-Stunden-Dienste sind Normalität. Wer in Uganda Ärztin oder Arzt werden will, durchläuft übrigens eine ähnliche Ausbildung wie bei uns: Sechs Jahre Studium der Humanmedizin sind die Basis, die weitere Facharztausbildung erfolgt an der Klinik. Ärztemangel gibt es dort keinen, denn der Beruf ist hoch angesehen und gut entlohnt.
Chapati, Fanta und Fitness
Reich ist das Land zwar nicht, im Gegenteil, aber das oft klischeehafte Bild Europas von Afrika, geprägt von Unterernährung und Armut, triff t dort nur bedingt zu. „Hungern muss dort niemand. Gegessen wird vor allem Chapati, also Fladenbrot, und das zu jeder Tageszeit, zudem Kochbananen, die ähnlich unseren Kartoffeln verwendet werden und sehr viel Fisch. Interessanterweise werden sehr viele zuckerhältige Limonaden wie Fanta getrunken, obwohl die meisten Ärztinnen und Ärzte sowie die Krankenschwestern versuchen gegenzusteuern und den Menschen mitzugeben, wie ungesund das ist “, berichtet er und erzählt schmunzelnd, wie er selbst seine tägliche Fantaration lieben gelernt hat. Allerdings nur als kurzes Vergnügen: Schon nach einer Woche konnte er keines mehr sehen. Was in der hiesigen Bevölkerung trotz der Liebe zur Limo weit verbreitet ist: Prävention und das Wissen darum, wie wichtig Vorsorge ist, sich um seinen Körper zu kümmern und damit zu verhindern, dass überhaupt Krankheiten entstehen. Im Alltag heißt das, es wird viel gesportelt. „Das fängt bei den Kindern an und hört bei den Seniorinnen und Senioren auf, die vielleicht alles etwas langsamer machen, aber trotzdem nicht auf ihr Training verzichten würden. Die Menschen gehen laufen, sie nutzen öffentliche Plätze und sind einfach extrem aktiv. Fitnessstudios brauchen dort die wenigsten, weil man sich ohnehin draußen zum Sport triff t und zwar wirklich quer durch alle Schichten und Altersklassen“, beschreibt Köttl seine Eindrücke dieser bunt gemischten Gesellschaft.
Die „Perle Afrikas“
Uganda liegt nahe am Äquator mit einem milden Klima und Durchschnittstemperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius. Die Amtssprachen sind Englisch und Swahili. Der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes ist der Dienstleistungssektor, gefolgt vom Agrarsektor und der Industrie. Das BIP des oft als „Perle Afrikas“ titulierten Landes lag 2024 bei 1.211 US-Dollar.
Medizinische Erfahrung sammeln in Afrika
Das Institut für Wissenschaft, Bildung und Internationale Beziehungen ist eine gemeinnützige Plattform zur Förderung von Ärztinnen und Ärzten, Studierenden und Forschenden. Das Institut engagiert sich für wissenschaftlichen Austausch, internationale Zusammenarbeit und die Verbindung von Medizin, Bildung und sozialer Verantwortung. Zudem werden Kurse, Fortbildungen und Seminare zur medizinischen, wissenschaftlichen und persönlichen Weiterentwicklung angeboten. Bei Interesse, in Afrika medizinische Erfahrung zu sammeln – sei es im Rahmen eines Pflegepraktikums, einer Famulatur oder als Ärztin bzw. Arzt – organisiert der Verein diese Einsätze vollständig.
Infos unter contact@institutwbib.com.
