Ärzt*in für Wien: Welche Zustände treffen Sie bei Einsätzen in den illegalen sogenannten „Beauty-Kliniken“ in der Regel an?
Hillerer: Wir treffen häufig auf improvisierte Behandlungsräume, die nicht als Klinik genehmigt sind. Einige Behandlungsräume waren sogar als Lagerraum genehmigt. Oft entsprechen sie nicht den hygienischen Standards. Auch die dort tätigen Personen verfügen in der Regel über keine medizinische Ausbildung.
Ärzt*in für Wien: Mit welchen konkreten Gesetzesverstößen sind Sie bei diesen Einsätzen am häufigsten konfrontiert?
Hillerer: Am häufigsten mit Verstößen gegen das Ärztegesetz, Kurpfuscherei sowie unbefugter Gewerbeausübung.
Ärzt*in für Wien: Welche ästhetischen Behandlungen werden in diesen illegalen Einrichtungen typischerweise angeboten?
Hillerer: Typischerweise handelt es sich um Botox-Injektionen, Filler-Behandlungen oder Fett-weg-Spritzen.
Ärzt*in für Wien: Was können Sie über die verwendeten Materialien und die medizinische Ausrüstung sagen? Entsprechen diese den gesetzlichen Standards?
Hillerer: Die verwendeten Materialien und Präparate entsprechen in der Regel nicht den gesetzlichen Standards. Häufig sind Präparate ohne Nachweis ihrer Herkunft im Einsatz. Sie stammen häufig aus dem Ausland. Der Einsatz birgt erhebliche gesundheitliche Risiken, da Qualität und Zusammensetzung nicht nachvollziehbar sind.
Ärzt*in für Wien: Erhalten Sie die Hinweise auf diese Einrichtungen häufig von Patientinnen oder Patienten, bei denen es nach Eingriffen zu gesundheitlichen Komplikationen kam?
Hillerer: Ja, immer wieder wenden sich Betroffene nach Komplikationen an uns, oft auch direkt vor Ort. Solche Fälle sind eine wichtige Informationsquelle, da es sich bei einigen Fällen um Körperverletzung handelt. Die Polizei ruft deshalb dazu auf, dass sich Betroffene mit Komplikationen bei ihr melden.

Fotocredit: Gruppe Sofortmaßnahmen
Ärzt*in für Wien: Sind sich die Kundinnen und Kunden bewusst, dass dort kein medizinisches Fachpersonal am Werk ist?
Hillerer: Viele Anbieter geben sich gezielt als medizinisches Fachpersonal aus. Kundinnen und Kunden können dies oft nur schwer überprüfen. Wir rufen deshalb dazu auf, immer genau zu prüfen, ob es sich tatsächlich um Ärztinnen oder Ärzte handelt.
Ärzt*in für Wien: Rechnen Sie damit, dass in Zukunft noch weitere solcher illegalen Einrichtungen entdeckt und geschlossen werden? Beobachten Sie hier einen zunehmenden Trend?
Hillerer: Ja, wir rechnen mit weiteren Fällen. Durch Social Media und günstige Angebote wächst die Nachfrage, weshalb wir auch in Zukunft mit weiteren Entdeckungen rechnen. Außerdem erhalten wir täglich Hinweise aus der Bevölkerung, dass sich da und dort illegale Kliniken befinden könnten. Diesen Hinweisen gehen wir nach.