Ein Leben ohne Schubladen
Von Miss Austria zur Ärztin, von der TV-Bühne zur Phytotherapie: Christine Reiler lebt mutig zwischen TV, Praxis, Laufsteg und Familie, bringt Wissen verständlich an die Menschen und scheut sich nicht, neue Wege zu gehen.
Von Miss Austria zur Ärztin, von der TV-Bühne zur Phytotherapie: Christine Reiler lebt mutig zwischen TV, Praxis, Laufsteg und Familie, bringt Wissen verständlich an die Menschen und scheut sich nicht, neue Wege zu gehen.
„Ich könnte nicht jeden Tag das Gleiche machen, deswegen lebe ich ein bisschen mit Risiko und das gefällt mir“, sagt Christine Reiler. Das Risiko hat die aus ORF-Gesundheitssendungen bekannte Medizinerin zumindest breit gestreut. Denn Reiler ist nicht nur ausgebildete Allgemeinmedizinerin sowie bekannte Moderatorin, sondern auch zertifizierte Bäuerin und Schauspielerin. Dass Reiler in Österreich und darüber hinaus Bekanntheit erlangte, ist einer verlorenen Wette geschuldet. Sonst hätte sie 2007 wohl gar nicht bei der Miss Austria-Wahl mitgemacht, die sie dann auch noch prompt gewann. Bei der anschließenden Miss World-Wahl in China schaffte sie es schließlich sogar bis ins Halbfinale.
Vom Model zur Ärztin
In der Folge war die gebürtige Mödlingerin auch ein gut gebuchtes Model. Zugleich verfolgte die Reiler allerdings bereits ihren eigentlichen Karriereplan, der so gar nichts mit dem Glamour des Jetsets zu tun hatte. Sie tauschte die Laufstege der internationalen Modewochen gegen die grauen Wände der Hörsäle. „Für mich war immer klar: Ich will Ärztin werden“, sagt die heute 43-Jährige im Gespräch mit Ärzt*in für Wien. „Ich bin ein klassisches Ärztekind. Mein Vater ist Unfallchirurg und Orthopäde und hat mich schon als Kind auf die Visite mitgenommen. Ich habe von klein auf mitbekommen, dass das ein Beruf mit sehr viel Sinn ist. Besonders die Interaktion mit den Menschen hat mich daran immer fasziniert“, so Reiler. Während des Studiums konnte Reiler auch Erfahrungen im Ausland sammeln und so unterschiedliche Gesundheitssysteme sowie die Lebensrealitäten in anderen Ländern kennenlernen. „Ich war unter anderem in El Salvador, in Brasilien, aber auch in der Schweiz. Dabei habe ich große Gegensätze gesehen. Aus diesen Erfahrungen habe ich viel mitgenommen: Erstens neue Sprachkenntnisse, zweitens neue Freunde und drittens die Erkenntnis, dass wir es hier bei uns gar nicht so schlecht haben.“ Nicht nur die Gesundheitssysteme unterscheiden sich in diesen Ländern, auch die Sicherheitslage war zum Teil kritisch. „El Salvador ist generell ein unsicherer Ort. Wir hatten sehr
viele Schussverletzungen zu versorgen. Ein Menschenleben ist dort nicht viel wert. Für mich ist klar: Auch wenn unser Gesundheitssystem oft angeprangert wird, im Vergleich gehört es zu den besten der Welt.“ 2011 schloss Reiler ihr Medizinstudium ab und absolvierte anschließend die Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin. Seit 2015 ordiniert sie nicht nur abwechselnd mit einer Kollegin in der arbeitsmedizinischen Praxis am ORF-Mediencampus, sondern tritt dort auch regelmäßig als Medizin-Expertin in zahlreichen TV-Formaten auf. Ihre Fähigkeit, medizinische Themen verständlich zu vermitteln, hat ihr dabei einen festen Platz im Sender gesichert. 2018 übernahm Christine Reiler die erfolgreiche Sendung „Bewusst gesund“, die seither eine treue Zuschauerschaft erreicht.
Privileg und Verantwortung
Als Gesundheitsexpertin im öffentlich-rechtlichen TV präsent zu sein, sieht Reiler als Privileg: „Ich versuche, so viele Menschen wie möglich für Medizin und Gesundheit zu begeistern und Themen so zu vermitteln, dass sie jeder versteht. Das ist eine wichtige Aufgabe und zugleich eine große Verantwortung. Deshalb ist eine penible Recherche der Themen essenziell.“ Mit der Themenauswahl will sie vor allem den Alltag der Menschen berühren. „Es ist mir wichtig, Bereiche anzusprechen, die im Alltag präsent sind, über die man aber nicht so gerne spricht. Es macht mir große Freude, wenn Leute sich melden, dass sie sich verstanden fühlen“, sagt Reiler.
Zuletzt zog es Reiler auch wieder zur Schauspielerei. Gemeinsam mit Talkshow-Lady Barbara Karlich spielte sie im September im Mödlinger Stadttheater beim Musical „Die Märchenprinzen“. Medizinisch hat sich Reiler der Phytotherapie verschrieben und dazu auch ein Buch verfasst. „Ich bin damit aufgewachsen, dass Hausmittel und Heilpflanzen etwas sehr Wertvolles sind.“ Die Eröffnung einer eigenen Praxis als Allgemeinmedizinerin ist aktuell nicht Teil ihrer unmittelbaren Lebensplanung. „Solange meine beiden Kinder noch so klein sind – acht und fünf Jahre – möchte ich mich noch nicht auf den Aufbau einer eigenen Ordination konzentrieren. Zudem bleibt mir mit den rund fünf Sendungen, die ich pro Woche gestalte, auch wenig Zeit für andere Dinge. Aber wer weiß, welche Wege sich später noch auftun.“ Was als Nächstes kommt? Reiler weiß: Vieles lässt sich im Leben nicht planen, manches passiert einfach. „Ich bin ein neugieriger Mensch und probiere gerne Neues aus. Ich würde auch sehr gern mal in einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung oder beim Bergdoktor spielen.“