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Vom Stockerl ins Krankenhaus

Die doppelte Leidenschaft der Lara Vadlau

Zwei Welten, ein Ziel: Lara Vadlau lebt für Leistung – ob im Segelboot, im Krankenhaus oder als Autorin. Die Olympiasiegerin bleibt in Bewegung und zeigt, wie man Träume auch nach dem großen Erfolg weiterverfolgt. Derzeit nimmt Vadlau mit ihrem neuen Segelpartner volle Fahrt auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. In der Zwischenzeit arbeitet sie immer wieder im Krankenhaus, um ihr Basisjahr zu absolvieren. 

Stefan Eckerieder
Zwei Personen, eine Frau und ein Mann, an Bord eines Segelboots, das sich im Wind stark neigt.
Lara Vadlau will noch mindestens bis zu den Olympischen Spielen 2028 weitersegeln.
Foto: Zheng Huansong Xinhua - Eyevine - picturedesk.com
„In diesem Sport musst du oft sehr egoistisch sein und immer auf dich selbst schauen, um weiterzukommen. In der Medizin kann ich meine soziale Seite ausleben.“

„Können wir das Interview verschieben? Wir haben ein Loch im Boot“, antwortet Lara Vadlau auf den Anruf von Ärzt*in für Wien. Stresssituationen gehören zum Alltag der Olympiasiegerin in der 470er-Segelklasse. Sie ist eine der wenigen Steuerfrauen in der gemischten Bootsklasse – Entscheidungen müssen in Sekundenbruchteilen getroffen werden. Ähnlich wie in ihrer zweiten Berufung: der Medizin. Auch dort kann jede Sekunde über Leben und Tod entscheiden. Das Gespräch holten wir wenige Tage später nach – kurz vor der ersten Wettfahrt der 470er-Weltmeisterschaft in Polen, bei der Vadlau erstmals mit ihrem neuen Segelpartner Niklas Haberl antrat. Zwar konnte das Duo eine Wettfahrt für sich entscheiden, fürs Finalrennen reichte es diesmal jedoch nicht. Auf dem Weg zum großen Ziel, einer weiteren Medaille bei den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles, wertet Vadlau das Abschneiden dennoch als gelungenen Testlauf. 

Hörsaal statt Weltmeere
Die in Kärnten aufgewachsene Lara Vadlau begann im Alter von sieben Jahren mit dem Segeln. Bereits 2012 nahm sie als damals jüngste Teilnehmerin in der 470er-Klasse an den Olympischen Spielen teil und belegte mit Eva-Maria Schimak den 20. Platz. Gemeinsam mit der gebürtigen Polin Jolanta Ogar feierte sie später große Erfolge: zwei Weltmeister- und zwei Europameistertitel. Bei den Olympischen Spielen 2016 reichte es für die Favoritinnen jedoch nur für Rang neun. Danach legte Vadlau eine fünfjährige Segelpause ein, um ihr Medizinstudium zu absolvieren. 

Bei ihrem dritten Anlauf bei Olympischen Spielen segelte sie schließlich zu ihrem größten Triumph: Mit Vorschoter Lukas Mähr gewann sie die Goldmedaille. Was motiviert eine Ärztin, die mit 30 schon alles erreicht zu haben scheint, erneut eine Olympiakampagne zu starten? „Das Feuer brennt noch in mir! Ich habe ein wirklich schönes Leben, an Segelwettkämpfen teilzunehmen ist meine absolute Leidenschaft und ein wunderschöner Beruf. Es ist natürlich extrem hart, aber im Moment lohnt sich dieses Leiden für meine Leidenschaft noch. Ich will mich einfach sportlich weiterentwickeln – so wie ich mich überall weiterentwickeln will“, erklärt Vadlau. 

Dieser Wille zur Weiterentwicklung und das Bedürfnis, die Lebenszeit voll auszuschöpfen, zeigen sich auch in ihrer Berufswahl. 2016 tauschte die heute 31-Jährige die Weite der Weltmeere gegen die Wiener Universitätshörsäle. Auch dort bewies sie Zielstrebigkeit: Für ihre Masterarbeit erhielt sie den Forschungspreis der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie. „Die Medizin ist ein toller Kontrast zum Leben als Sportlerin. In diesem Sport musst du oft sehr egoistisch sein und immer auf dich selbst schauen, um weiterzukommen. In der Medizin kann ich meine soziale Seite ausleben – es ist schön, sich um andere zu kümmern und helfen zu können.“

Vom Stockerl ins Krankenhaus
Aktuell absolviert Vadlau neben ihrer Sportkarriere das medizinische Basisjahr. Kaum war die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 gewonnen, arbeitete sie bereits wieder als Ärztin – angestellt in den Krankenhäusern Villach und Klagenfurt. Das sei ihr wichtig gewesen, sagt sie, um nach dem Erreichen des großen Karriereziels nicht in ein Loch zu fallen und den Übergang in ein „normales Leben“ zu schaffen. Als wäre das nicht genug, ist die Kärntnerin mittlerweile auch Autorin: Im Frühjahr 2025 erschien ihr erstes Buch „Segel des Lebens“. Es bietet Einblicke in Vadlaus Erfahrungen auf dem Wasser und enthält zehn goldene Regeln für Sport und Alltag. „Das Buch soll Menschen motivieren, ein bisschen über sich hinauszuwachsen“, sagt Vadlau. 

Ziele nach Olympia
Aktuell gilt ihr ganzer Fokus den Olympischen Spielen 2028. Während längerer Wettkampfpausen arbeitet sie weiterhin im Krankenhaus, um auch nach ihrer aktiven Sportkarriere gerüstet zu sein. Wie es nach 2028 weitergeht, lässt Vadlau noch offen: „Ich bin dann 34 – für eine Sportlerin auf diesem Niveau wird es nicht einfacher. Aber wenn das Feuer noch lodert, warum nicht noch ein paar Jahre dranhängen?“ Sorgen um ihre Zukunft muss sich Vadlau jedenfalls keine machen. Denn der Wind hat ihrem Segel längst das nächste Ziel zugeflüstert: „Ich weiß noch nicht genau, in welche Fachrichtung ich in der Medizin gehen werde, aber ich möchte natürlich auch dort erfolgreich sein.“ 

„Es ist natürlich extrem hart, aber im Moment lohnt sich dieses Leiden für meine Leidenschaft noch. Ich will mich einfach sportlich weiterentwickeln – so wie ich mich überall weiterentwickeln will.“