Spitalsalltag mit Augenzwinkern

„Die Ideen kommen mir spontan bei der Arbeit"

Der Medfluencer Daniel Stein, auf Social Media bekannt als „allclinical“, ist „Special Guest“ beim heurigen MedDay. Im Interview mit Ärzt*in für Wien erzählt der angehende Internist, welche Fächer für seine humoristischen Beiträge besonders dankbare Stichwortgeber sind, wie die Reaktionen der Kollegenschaft ausfallen und wohin er sich entwickeln möchte.

Eva Kaiserseder
Porträtbild von jungem Mann mit verschränkten Händen und blauem Pullover in Gesprächssituation
Daniel Stein erreicht mit seinem Instagram Account „allclinical“, einem Mix aus Comedy und Medizininfos, über 100.000 Menschen.
Foto: Stefan Seelig

Ärzt*in für Wien: Sie sind Assistenzarzt für Innere Medizin, kommen ursprünglich aus Berlin und leben und arbeiten seit einigen Jahren in Wien. Ihrem Instagram Account „allclinical“ folgen mittlerweile über 100.000 Menschen. Angefangen hat das Ganze als eher statische Wissensvermittlung, mittlerweile stehen ironische und sehr lustige Reels und Storys im Vordergrund. Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Stein: Ich wollte schon immer über Situationen im Ärztealltag sprechen, über die sonst keiner reden möchte. Nur eben mit einem humoristischen Ansatz. Und das kam tatsächlich sehr gut an! Es hat sich so weit entwickelt, dass ich Zusendungen zu bestimmten Situationen erhalten habe, über die ich berichten möge. Mittlerweile ist mein Handy voller Notizen und Skripte, die ich noch umsetzen möchte.

Ärzt*in für Wien: Wie entsteht ein Reel oder eine Story bei Ihnen?

Stein: Normalerweise kommen mir die Ideen spontan in der Arbeit – dann schreibe ich sie mir auf und arbeite daran mehrere Tage oder sogar Wochen bevor das Skript wirklich fertig ist. Ich versuche aber Themen nie zu überspitzt darzustellen, wie es vielleicht amerikanische Medfluencer machen, die zum Beispiel Orthopäden als Neandertaler darstellen. Das geht mir persönlich zu weit. Ich möchte niemanden abwerten, weil ich finde, dass alle Ärztinnen und Ärzte tolle Arbeit leisten, auch wenn der Content dann vielleicht weniger populär ist.

Ärzt*in für Wien: Gibt es Fächer, die besonders dankbare „Stichwortgeber“ sind?
Stein: In der Orthopädie und Chirurgie passieren neben der Notaufnahme und der Inneren viele erzählenswerte und auch witzige Geschichten.

Ärzt*in für Wien: Wie fallen denn die Reaktionen der Kolleginnen und Kollegen aus?
Stein: Sicherlich unterschiedlich, wobei ich nie wirklich negative Reaktionen gehört habe. Anfangs dachte ich, diese Art von Darstellung ist der hiesigen Ärzteschaft zu viel, ich habe viel mehr negative Kritik erwartet, aber es kam extrem viel positives Feedback, auch aus der Pflege.

Ärzt*in für Wien: Wie wichtig ist Ihnen Bestätigung dessen, was Sie im Social Media Bereich machen?
Stein: Man zeigt etwas von sich und hofft natürlich, dass es gesehen wird. Letztendlich glaube ich, ist es niemandem egal, wie groß die Resonanz ist, auch wenn man sich das vornimmt oder einredet. Ich mache zum Beispiel weniger Schwimm- und Tenniscontent als früher, weil ich merke, dass dieser Content weniger gut ankommt als zum Beispiel Inhalte, wo die Pflege im Mittelpunkt steht. Mir ist es grundsätzlich wichtig, das Verhältnis Ärzteschaft und Pflege immer wieder zu thematisieren, weil es hier sehr viel Reibung gibt und beide Berufsgruppen extrem eng zusammenarbeiten. Dass diese Achse funktioniert und sich beide Berufsgruppen Respekt zollen, ist extrem wichtig.

Ärzt*in für Wien: Was wird die Zukunft als Arzt bringen? Spital oder doch Niederlassung? Wohin zieht es Sie?
Stein: In Deutschland muss man sich ja zwischen Klinik und Praxis entscheiden. Hier in Österreich lässt sich das kombinieren und ich finde definitiv beide Möglichkeiten spannend. Es ist also realistisch für mich, neben der Klinik auch in einer Praxis zu arbeiten. Man lernt im Spital sehr viel über komplexe Krankheitsbilder, erlebt eine Vielzahl an Patientinnen und Patienten, die herausfordernd zu behandeln sind, kann sich mit der Kollegenschaft austauschen darüber und lernt sehr viel. Dieses Wissen hilft dann auch in der Ordination.
 

Ärzt*in für Wien: Wie wichtig ist Ihnen eine gewisse aufklärerische Ader im Netz?
Stein: Es existieren unglaublich viele Fake News und ich habe gemerkt, wie sehr es mich stört, wieviel Quatsch da gerade im Gesundheitsbereich erzählt wird. Man muss das allerdings clever machen, wenn man hier mit Wissen via Social Media gegensteuern möchte, damit sich die Menschen das auch anschauen und nicht gelangweilt weiterscrollen. Ich habe einen zweiten Account („allclinicalthinks“, Anm. d. Red.) erstellt, wo ich mich genau diesem Thema, also Wissenschaft und Information, widme und ein bisschen Aufklärung betreiben möchte. Hier bin ich aber noch immer in der Findungsphase und probiere aus, was am Besten ankommt. Ich werde aber definitiv versuchen, in Zukunft mehr Aufklärungsarbeit zu betreiben, weil wir so viele Ärztinnen und Ärzte wie möglich brauchen, um diese Welle von Fake News zu bekämpfen. Aber keine Sorge. Comedy mache ich natürlich weiterhin.

Ärzt*in für Wien: Was erzählen und empfehlen Sie jungen Menschen, die Medizin studieren wollen? Welches Fach würden Sie empfehlen?
Stein: Ich denke, es ist wichtig, den Leuten klar zu machen, dass es gar nicht nötig ist, sich so rasch festzulegen, wenn man Medizin studieren möchte. Das Studium ist ja genau dafür da, herauszufinden, in welche Richtung es gehen soll und darf. Gerade hier in Wien hat man sehr viele Möglichkeiten, sich zu entfalten, das finde ich großartig. Was man auf jeden Fall mitbringen soll: Ein extrem großes Interesse an Medizin. Wenn das fehlt, wird man wahrscheinlich nicht glücklich werden. Der Job ist nämlich anspruchsvoll genug – fachlich wie menschlich. Man trägt nicht nur viel Verantwortung, sondern muss sich laufend weiterbilden. Ohne eine gewisse Grundmotivation kann man daran schnell ausbrennen. 

 

MedDay - Die Jobmesse für Medizinstudierende, Jungmedizinerinnen und Jungmediziner am Donnerstag, 12. März 2026

Der MedDay findet heuer am 12. März ab 11 Uhr statt. Der Erste Campus nahe dem Hauptbahnhof Wien (Am Belvedere 1, 1030 Wien) fungiert diesmal als Location, der Eintritt ist frei. Direkt bei den Ausstellern kann man sich über Karrierewege, Ausbildungsangebote, berufliche Perspektiven und Serviceangebote informieren. Als Rahmenprogramm gibt es praxisnahe Einblicke in den medizinischen Berufsalltag, der weltbekannte Operationsroboter „Da Vinci“ kann vor Ort getestet werden und zudem gibt es Workshops, Vorträge oder das beliebte „Duell der Fachrichtungen“. Ab 17 Uhr klingt die Messe beim Get together mit Musik und Getränken aus.
 

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„Anfangs dachte ich, diese Art von Darstellung ist der hiesigen Ärzteschaft zu viel, aber es kam extrem viel positives Feedback.“
„Mir ist es grundsätzlich ein Anliegen, das Verhältnis Ärzteschaft und Pflege immer wieder zu thematisieren, weil es hier sehr viel Reibung gibt und beide Berufsgruppen sehr eng zusammenarbeiten. Dass sich beide Berufsgruppen Respekt zollen, ist wirklich wichtig.“